Weniger Hardware in der Praxis, jeder Zugriff wird einzeln geprüft: Was die gematik plant und was davon Ihre Praxis wann betrifft
Die Telematikinfrastruktur wird in den nächsten Jahren grundlegend umgebaut. Die gematik nennt das Ziel TI 2.0. Im Praxisalltag merken Sie davon vorerst wenig. Langfristig ändert sich aber einiges: wie Ihre Praxis angebunden ist, wie Versichertendaten abgerufen werden und welche Hardware Sie noch brauchen. Hier der Stand im November 2026.
Vom geschlossenen Netz zu Zero Trust
Heute ist die TI ein abgeschottetes Netz. Wer über den Konnektor angebunden ist, gilt als vertrauenswürdig. Künftig wird jeder einzelne Zugriff geprüft, egal ob er aus dem Praxisnetz kommt oder von einem Smartphone. Die gematik nennt das Zero-Trust-Architektur, kurz ZETA. Bis 2029 sollen alle TI-Dienste darauf umgestellt sein.
Im Juni 2026 haben die Gesellschafter der gematik außerdem beschlossen, den Umbau zu beschleunigen. Weniger Spezialhardware, mehr mobile Nutzung und eine gemeinsame Plattform für die Fachdienste. Einen konkreten Umsetzungsplan erarbeitet die gematik derzeit.
PoPP: der Nachweis, dass der Patient da ist
Für den Zugriff auf ePA und E-Rezept braucht die Praxis künftig einen digitalen Nachweis, dass gerade eine Behandlung stattfindet. Diesen Nachweis liefert der neue Dienst PoPP (Proof of Patient Presence) als verschlüsseltes Token.
Laut Zeitplan der gematik startet Stufe 1 ab Juli 2026 in einer Modellregion. Neu ist dabei, dass sich die eGK erstmals auch mit einem handelsüblichen Kartenleser einlesen lässt. Das ist vor allem bei Haus- und Heimbesuchen interessant. Ab September 2027 soll Stufe 2 folgen: Dann checken sich Patienten auch per Smartphone ein, und die GesundheitsID kann als Versicherungsnachweis dienen.
Das eHealth-Kartenterminal bleibt trotzdem nötig, etwa für den Heilberufsausweis und den Praxisausweis.
VSDM 2.0: Stammdaten direkt von der Krankenkasse
Heute gleicht die Praxis beim ersten Kontakt im Quartal die Versichertendaten über die eGK ab und aktualisiert sie auf der Karte. Mit VSDM 2.0 ruft die Praxissoftware die Daten direkt beim Fachdienst der Krankenkasse ab. Auf der Karte wird nichts mehr aktualisiert.
Die gematik hat die Pilotierung für Anfang September 2026 angesetzt, zunächst mit einer großen Krankenkasse und mindestens einer Praxissoftware. Weitere Kassen kommen schrittweise dazu. Bis alle umgestellt sind, laufen alter und neuer Abgleich parallel.
Der Konnektor in der Praxis hat ein Ablaufdatum
Die Gesellschafter der gematik haben beschlossen, dass Einbox-Konnektoren höchstens bis Ende 2030 genutzt werden dürfen. Bis zum Laufzeitende Ihres Geräts können Sie es weiter verwenden.
Die Alternative gibt es schon heute: das TI-Gateway, bei dem die Anbindung über ein Rechenzentrum läuft und kein Konnektor mehr in der Praxis steht. Bei der TI-Störung im Oktober 2026 waren Praxen mit TI-Gateway laut gematik nicht betroffen. Wie das TI-Gateway funktioniert, lesen Sie in unserem Beitrag dazu.
Noch im Test: Praxisidentität ohne Karte
Mit dem sogenannten HSM-B weist sich eine Praxis digital gegenüber der TI aus, ohne SMC-B-Karte im Kartenterminal. PIN-Eingaben und Kartentausch würden damit seltener. Die Lösung wird derzeit in einem Praxistest erprobt. Einen Termin für Arztpraxen gibt es noch nicht.
TI-Messenger direkt in der Praxissoftware
Seit Ende September 2026 erlaubt eine neue Spezifikation, den TI-Messenger direkt in die Praxissoftware einzubauen. Ob und wann das für Ihr Programm kommt, entscheidet der jeweilige Hersteller.
Was das jetzt für Ihre Praxis heißt
Umstellen müssen Sie im Moment nichts. Die meisten Neuerungen kommen schrittweise und über die Updates Ihrer Praxissoftware zu Ihnen. Drei Dinge sollten Sie aber im Blick behalten:
- Ihr Konnektor: Prüfen Sie, wann seine Laufzeit endet. Spätestens Ende 2030 ist Schluss. Beim nächsten Tausch ist ein TI-Gateway oft die bessere Wahl, weil dann keine Hardware mehr in der Praxis gewartet werden muss.
- Ihre Kartenterminals: Die eHealth-Kartenterminals bleiben im Einsatz, etwa für Heilberufsausweis und Praxisausweis. Für PoPP müssen Sie keine neuen Spezialgeräte anschaffen.
- Ihre Updates: PoPP, VSDM 2.0 und die neue Sicherheitsarchitektur kommen über Ihre Praxissoftware. Halten Sie Server und Software deshalb so aktuell, dass sich neue Updates auch installieren lassen.
Sie möchten wissen, wie Ihre Praxis aufgestellt ist? Wir schauen uns Ihre TI-Anbindung gern gemeinsam mit Ihnen an: 0341 490870 oder service@medicalfuture.org.
